Lingua   

Die Kartoffelschälerin

Ilse Weber
Lingua: Tedesco



Ich schäle Kartoffeln den ganzen Tag
mit hundert anderen Frauen.‎
Ich sitze in dem dumpfen Verschlag
vom frűhen Morgengrauen.‎

Ich sitze da und höre kein Wort
von dem, was die Frauen erzählen.‎
Meine Gedanken sind so weit fort,‎
wenn meine Hände schlälen.‎

Meine Gedanken sind voller Pein
bei der Tochter, verschollen in Polen.‎
Die anderen können noch fröhlich sein
und scherzen und lachen verstohlen.‎

Die braunen Knollen rollen davon
und häufen sich in den Körben.‎
Nach Dachau brachte man meinen Sohn,‎
warum lieβ Gott ihn sterben?‎

Und Stunde um Stunde langsam verrinnt,‎
wund sind und hart meine Hände.‎
Im Typhusspital starb mein Enkelkind,‎
wann nimmt mein Leben ein Ende?‎

Kartoffeln, Kartoffeln, tagaus, tagein,‎
nur schälen, immerzu schälen.‎
Sie schleichen in meine Träume sich ein,‎
um nachts mich noch zu quälen.‎

Die Schalen beleben und ringeln sich
und werden zu zischenden Schlangen,‎
sie verfolgen und umwinden mich,‎
bis gnadenlos sie mich gefangen.‎

Und wieder kommt ein neuer Tag
und ich sitze im Morgengrauen
Kartoffelschälend im dumpfen Verschlag ‎
mit hundert anderen Frauen.‎


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