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Ballade von Joß Fritz

Franz-Josef Degenhardt
Language: German



Das ist die Bailade vom Bauernführer Joß Fritz, oder, Legende von der revolutionären Geduld und Zähigkeit und vom richtigen Zeitpunkt.

Joß Fritz ist breit und ist leibeigen, schon dreimal hat man ihn geschaßt.
Die Weiber kreischen auf der Tenne, wenn er beim Tanz die Punze faßt.
Und rasches Flüstern zwischen Türen, das, meinen viele, ist die Brunst.
Und nachts das Rascheln, Strohgeknister ist heimlich geile Weibergunst.
Und doch ist das der Bundschuhführer, der heimlich kommt, organisiert
und agitiert, und der auch zügelt, wenn wilde Wut die Köpfe schnürt.
Laßt nicht die roten Hähne flattern, ehe der Habicht schreit.
Laßt nicht die roten Hähne flattern vor der Zeit.

Und als die schönen Schlosser brannten im schonen Nachtigallenmai,
und als der bunte Haufe rannte vor Fürstenheer und Reiterei,
und wurden Köpfe abgeschnitten, geblendet viele und gehetzt,
die Organisation verraten, die Bundschuhfahne war zerfetzt,
da lernten die, die übrigblieben: es war ein ganzes Stuck zu früh,
noch viel zu stark war dieser Gegner, und viel zuwenig waren sie.
Laßt nicht die roten Hähne flattern, ehe der Habicht schreit.
Laßt nicht die roten Hähne flattern vor der Zeit.

Joß Fritz, gejagt auf allen Straßen, im Weiberrock, am Bettlerarm,
wird Fisch und taucht im Volke unter und wieder auf als Dorfgendarm,
und lernt den Feind und lernt die Schliche, taktiert und reorganisiert
und konspiriert mit Pfaff und Bürger, und mancher Mann sympathisiert.
Den Aufruhr in die Köpfe tragen wie kaltes Feuer, heißes Eis,
geduldig, listig und verschlagen, und warten können, weil er weiß:
Laßt nicht die roten Hähne flattern. ehe der Habicht schreit.
Laßt nicht die roten Hähne flattern vor der Zeit.

Und als die Bänkelsänger sangen, und als die Nachricht schneller lief,
geheime Zinken an den Türen, und als zu oft die Eule rief,
und als die Bundschuhfahne wehte beim wilden Hagebuttenfest,
und als sie fast dreitausend waren und Waffen überall versteckt,
und als ein paar nicht warten wollten und einer bei der Folter schrie
und Pläne, Plätze, Namen nannte, da war es wieder mal zu früh.
Laßt nicht die roten Hähne flattern. ehe der Habicht schreit.
Laßt nicht die roten Hähne flattern vor der Zeit.

Verrat. Und wieder auf den Straßen, Joß Fritz, gejagt, gesucht, versteckt.
Und die ihn hören und berühren, sind aufgerührt und angesteckt.
Mal ist er Mönch, mal Landsknecht, Bettler, mal zieht ein Gaukler über Land,
und mal erkennen ihn Genossen am Muttermal auf seiner Hand.
Das große Bündnis will er knüpfen mit Ritter, Bürger, Bauer, Pfaff.
Plebejer, Bettler und Soldaten, und immer warnt er vor der Hast:
Laßt nicht die roten Hähne flattern. ehe der Habicht schreit.
Laßt nicht die roten Hähne flattern vor der Zeit.

Und als die schönen Sensen glänzten und Morgensterne glänzten mit,
und als der Hammer Helme knackte, und als die Sichel schneller schnitt,
und als die schönen Schlösser brannten, und als der Bischof Gnade bat,
und als die Reiterheere flohen und Mauern brachen vor der Stadt,
da ging die Saat auf, die er säte im schönen Nachtigallenmai.
Und zieht dahin, der helle Haufe, Joß Fritz ist irgendwo dabei
und läßt die roten Hähne flattern beim hellen Habichtschrei,
und läßt die roten Hahne flattern und war dabei
und ist dabei.


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