Language   

Gesang der Reiskahnschlepper

Bertolt Brecht
Language: German



In der Stadt oben am Fluß
Gibt es für uns einen Mundvoll Reis
Aber der Kahn ist schwer, der hinauf soll
Und das Wasser fließt nach unten.
Wir werden nie hinaufkommen.

Zieht rascher, die Mäuler
Warten auf das Essen.
Zieht gleichmäßig. Stoßt nicht
Den Nebenmann.

Die Nacht kommt schon bald. Das Lager,
Zu klein für eines Hundes Schatten,
Kostet einen Mundvoll Reis.
Weil das Ufer zu glatt ist
Kommen wir nicht vom Fleck.

Zieht rascher, die Mäuler
Warten auf das Essen.
Zieht gleichmäßig. Stoßt nicht
Den Nebenmann.

Länger als wir
Hält das Tau, das in die Schulter schneidet.
Die Peitsche des Aufsehers
Hat vier Geschlechter gesehen.
Wir sind nicht das letzte.

Zieht rascher, die Mäuler
Warten auf das Essen.
Zieht gleichmäßig. Stoßt nicht
Den Nebenmann.

Unsere Väter zogen den Kahn von den Flußmündung
Ein Stück weit höher. Unsere Kinder
Werden die Quelle erreichen. Wir
Sind dazwischen.

Zieht rascher, die Mäuler
Warten auf das Essen.
Zieht gleichmäßig. Stoßt nicht
Den Nebenmann.

Im Kahn ist Reis. Der Bauer, der
Ihn geerntet hat, bekam
Einen Handvoll Münzen, wir
Kriegen noch weniger. Ein Ochse
Wäre teurer. Wir sind zu viele.

Zieht rascher, die Mäuler
Warten auf das Essen.
Zieht gleichmäßig. Stoßt nicht
Den Nebenmann.

Wenn der Reis in der Stadt ankommt
Und die Kinder fragen, wer
Den schweren Kahn geschleppt hat, heißt es:
Er ist geschleppt worden.

Zieht rascher, die Mäuler
Warten auf das Essen.
Zieht gleichmäßig. Stoßt nicht
Den Nebenmann.

Das Essen von unten kommt
Zu den Essern oben. Die
Es schleppen, haben
Nicht gegessen.


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