Lingua   

Vom François Villon

Bertolt Brecht
Lingua: Tedesco



François Villon war armer Leute Kind
Ihm schaukelte die Wiege kühler Föhn
Von seiner Jugend unter Schnee und Wind
War nur der freie Himmel drüber schön.
François Villon, den nie ein Bett bedeckte
Fand früh und leicht, daß kühler Wind ihm schmeckte.


Der Füße Bluten und des Steißes Beißen
Lehrt ihn, daß Steine spitzer sind als Felsen.
Er lernte früh den Stein auf andre schmeißen
Und sich auf andrer Leute Häuten wälzen.
Und wenn er sich nach seiner Decke streckte:
So fand er früh und leicht, daß ihm das Strecken schmeckte.


Er konnte nicht an Gottes Tischen zechen
Und aus dem Himmel floß ihm niemals Segen.
Er mußte Menschen mit dem Messer stechen
Und seinen Hals in ihre Schlinge legen.
Drum lud er ein, daß man am Arsch ihm leckte
Wenn er beim Fressen war und es ihm schmeckte.


Ihm winkte nicht des Himmels süßer Lohn
Die Polizei brach früh der Seele Stolz
Und doch war dieser auch ein Gottessohn. –
Ist er durch Wind und Regen lang geflohn
Winkt ganz am End zum Lohn ein Marterholz.

François Villon starb auf der Flucht vorm Loch
Vor sie ihn fingen, schnell, im Strauch aus List –
Doch seine freche Seele lebt wohl noch
Lang wie dieses Liedlein, das unsterblich ist.
Als er die Viere streckte und verreckte
Da fand er spät und schwer, daß ihm dies Strecken schmeckte.


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