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Die römische Kantate, opus 60

Hanns Eisler
Language: German



‎1. Das große Rom

Das große Rom ist unerträglich geworden. ‎
Jeder Tag bringt ein anderes, ‎
Jeder Tag bringt ein neues Gesetz. ‎
Seit vielen Jahrhunderten regierten die Päpste mit fünf Gesetzen; ‎
Auf dem Zuge der Tausend brauchte Garibaldi nur drei Gesetze, ‎
Aber das neue Regime braucht für alles ein eigenes Gesetz.‎
Es gibt eins, das verbietet, von bestimmten Dingen zu reden, ‎
An die Mauern zu pissen, ‎
Nachts zu singen, ‎
Die Trambahn vorne zu besteigen; ‎
Es gibt ein Gesetz für Ehegegner, ‎
Für bestimmte Berufe, ‎
Für Versammlungslokale und für ‎
Streitfälle zwischen Arbeitern und Arbeitgebern. ‎
Je mehr solche Gesetze, ‎
Umso mehr Elend. ‎
Je mehr Elend, ‎
Umso mehr solche Gesetze. ‎
Wahrhaftig! ‎
Das große Rom ist unerträglich. ‎
Die Luft ist verpestet. ‎
Rom stinkt.‎

‎2. Der Gestank

Einer sagte: Der Gestank kommt vielleicht von den Mäusen. ‎
Der Rat erklärte den Mäusen den Krieg, ‎
Und Tausende wurden vernichtet. ‎
Aber der Gestank blieb. ‎
Ein andrer sagte: Der Gestank kommt vielleicht von den Fliegen. ‎
Der Rat erklärte den Fliegen den Krieg, ‎
Millionen wurden vernichtet. ‎
Aber der Gestank blieb. ‎
Ein dritter meinte: Vielleicht kommt der Gestank von den Katzen. ‎
Da erklärte der Rat den Katzen den Krieg, ‎
Und Tausende wurden getötet. ‎
Aber der Gestank blieb. ‎
In gewissen Stunden ist er so stark, ‎
Daß man sich erbrechen muß. ‎
Woher kommt er wirklich? ‎
Vielleicht vom Schmutz?‎

‎3. Woher kommt er?

Niemand hat den Ursprung des römischen Gestanks entdecken können. ‎
In den Volksvierteln ist er weniger stark, ‎
Im Beamtenviertel ist er schon auffallend. ‎
In der Gegend der Ministerien und um Sanct Peter ist er unerträglich. ‎
Woher kommt er? ‎
Wer weiß es? ‎
Man hört auch sagen, er komme von dem Alter der Stadt. ‎
Eine ewige Stadt muß eine stinkende sein. ‎
Man hört auch sagen, ‎
Er käme von den Stoffen, ‎
Von den Kleidern, ‎
Von den Federn,‎
Von den Helmen, ‎
Von den Panzern, ‎
Die die neue Regierung aus den Museen geholt hat ‎
Für die Uniformen der Minister, ‎
Der Gesandten und der Türsteher. ‎
Man erzählt sich vieles. ‎
Aber der Gestank bleibt. ‎
Dabei entdeckt die Polizei jede Woche neue Verschwörungen. ‎
Ganze Arbeiterviertel werden nachts umstellt. ‎
Hunderte werden verhaftet. ‎
Keiner weiß den Grund. ‎
Jeden kann’s erwischen. ‎
Viele haben Angst.‎

‎4. Die Angst

Die Angst in Rom ist zu einer Krankheit geworden. ‎
Sie überfällt die Menschen und schüttelt sie von oben bis unten. ‎
Es fürchten sich nicht nur die Feinde des Regimes, nein, ‎
Die Faschisten fürchten sich noch viel mehr. ‎
Auch sie wissen, daß es so nicht weitergehen kann. ‎
Und haben Angst! ‎
Warum ermorden sie ihre Gegner? ‎
Aus Angst! ‎
Warum vergrößern sie die Polizei? ‎
Aus Angst. ‎
Warum vernichten sie Tausende? ‎
Aus Angst. ‎
Mit ihrer Angst ‎
Wachsen ihre Verbrechen. ‎
Mit ihren Verbrechen wächst ihre Angst. ‎
Wahrhaftig! ‎
Das große Rom ist unerträglich. ‎
Die Luft ist verpestet.‎


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